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Von der Tinte zum Farbpigment

Der Prozess hat folgenden Hintergrund: Die aus der Pflanze (mit Hilfe von Wasser und Salzen) extrahierten Farbstoffe bleiben im Extraktionsmittel völlig gelöst. Sie befinden sich nach der Extraktion also im Zustand einer Tinte ("Tinktur"). Mit einer Tinte kann man zwar färben ("tingieren"), aber niemals schichtend lasieren. Denn wo kein physisches Farbkorn ist, sondern nur gelöste Farbsubstanz (Moleküle), kann man keine übereinander liegenden Schichten bilden; Tinten fließen in- und durcheinander.

Zum Schritt des "Lösens", d.h. zur Bildung der Tinktur, muss der Pflanzenchemiker den Farbstoff in der Regel etwas "aus dem Gleichgewicht bringen".

Die Gewinnung des Pigmentkorns ist daher immer auch ein Schritt der Rückführung aus diesem Extrem in die (chemisch-physikalische) Mitte, ein Schritt der "Neutralisierung". Dieses Wiedergewinnen der "Mitte" wird beim entsprechenden Prozess konkret sinnlich erlebbar. Aus der durchscheinenden Tinktur, die oft noch eine wenig klare, fluoreszierende Farbigkeit besitzt, entsteht bei fortschreitender Neutralisierung unter starker Farbauflichtung und -verstärkung zunächst eine leichte, milchige Trübung, bis unter immerwährender Steigerung der Farbqualität das feinste farbige Pigment entsteht, zunächst noch ganz wolkig gallertig, dann langsam am Boden des Gefäßes absetzend. Damit ist das erneute "Binden" nach dem "Lösen" bewerkstelligt.

Wie entsteht dieses Pigment? Es entsteht dadurch, dass entweder in der Tinktur selbst oder im Neutralisationsmittel ein Salz des Aluminiums anwesend ist. Bei der Neutralisation bildet sich infolgedessen gleichzeitig in feinen Kristallen der mineralische Stoff "Tonerde".


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