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Indigo

Indigo ist im reinen Zustand ein dunkelblaues, kupferrot schimmerndes Pulver, welches in Alkohol nicht und in Wasser nur schwer löslich ist. In konzentrierter Schwefelsäure löst es sich mit grüner, beim Erwärmen mit blauer Farbe auf. Die Indigopflanze enthält keinen Indigo, sondern Indican, eine gelbe Vorstufe des Farbstoffes. Erst nach einer Reihe von chemischen Umwandlungsprozessen entfaltet der äußerst lichtechte Farbstoff seine jeansblaue Farbe auf Textilmaterial.

Echter, indischer Indigo ist im Handel in zu Blöcken gepressten Würfeln erhältlich. Der Farbstoff kann aus verschiedenen Indigopflanzen gewonnen werden:

Name lateinischer Name Herkunft, Verbreitung
Indigopflanze Indigofera arrecta Afrika, heute Indien, Indonesien
Indigofera tinctoria Indien, Asien, heute weitverbreitet
Indigofera suffruticosa Amerika, heute auch in Afrika, Asien
Färberwaid Isatis tinctoria Kaukasus, Asien, später Europa

Geschichtliches

Indigo

Indigo ist neben Krapp und Reseda einer der ältesten bekannten, pflanzlichen Farbstoffe. Die ältesten Funde stammen aus einer steinzeitlichen Höhle in Frankreich. In Mumien der Ägypter, 2000 vor Christus, wurden mit Indigo gefärbte Bänder gefunden. Der älteste schriftliche Hinweis kann bei Caesar in seinem Buch über den Gallischen Krieg nachgelesen werden: "Alle Britannier färben sich mit Waid (vitrum) blau, und sehen daher in der Schlacht ganz schrecklich aus." Auf einem Papyrus eines thebanischen Grabes im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus wird beschrieben, wie man aus Waid einen Farbstoff herstellt.

In Europa gewann man den "König der Farbstoffe" lange Zeit aus Färberwaid, einer Blütenpflanze aus der Familie der Kreuzblütler. Urkunden aus dem 12. Jahrhundert berichten vom Waidanbau in Thüringen. Die Stadt Erfurt wurde durch den Waidhandel so reich, dass sie daraus die Mittel zur Gründung der Universität im Jahre 1392 aufbrachte. In den umliegenden, ländlichen Gebieten bauten Kleinbauern Waid an. Waidhändler kauften das pflanzliche Rohmaterial von den Bauern auf den Märkten der Städte und verarbeiteten es zu Farbpulver, welches sie an die Färber weiterverkauften. Die Städte profitierten aus Steurabgaben. Der in Thüringen produzierte Waidindigo wurde nach Sachsen oder in die Tuchstadt Köln exportiert. Über die Hafenstädte Hamburg, Lübeck und Bremen gelangte er nach Holland und nach England.

Mit der Gründung der ostindischen Handelsgesellschaft im Jahre 1602 durch die Holländer war der Untergang des europäischen Indigos besiegelt: Die holländischen Seefahrer begannen, Indigo aus Indien zu importieren. Die asiatische Indigopflanze zeichnete sich durch eine höhere Farbausbeute aus. Dadurch war der Farbstoff preisgünstiger herzustellen. Zur Stützung des einheimischen Waidhandels wurden zunächst Verbote erlassen, die die Einfuhr und die Weiterverarbeitung des indischen Indigos verhindern sollten. In Nürnberg drohte einem Färber sogar die Todesstrafe, wenn er sich nicht daran hielt.

Im 17. Jahrhundert, nach einem langen Konkurrenzkampf, setzte sich der indische Indigo aufgrund seines höheren Farbstoffgehalts endgültig durch. Im Jahre 1897 befanden sich in Indien noch 700000 Hektar Anbaufläche für Indigo, die indische Jahresproduktion lag bei 8000 Tonnen.

Das Jahr 1878 brachte für den Handel mit Indigo eine entscheidende Wende, da dem deutschen Chemiker Adolf von Baeyer die erste künstliche Herstellung von Indigo gelang. Ab 1897 kam dieser synthetische Indigo durch die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) in Ludwigshafen zu einem sehr günstigen Preis in den Handel. Heute wird der Indigo nach der "Heumann-Synthese" hergestellt. Schon 1914 hatte der natürliche Indigo nur noch einen Marktanteil von 4%.



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